Presseausweise haben kaum noch Wert!

Bekam man vor Jahren einen Presseausweis nur gegen entsprechende Nachweise z.B. in Form von Publikationen, wird heutzutage inflationär mit diesen um sich geworfen. Selbst bei amazon.de konnte man sich bis vor kurzem noch einen Presseausweis ohne Auflagen bequem bestellen. Zielgruppe ist die, die unter normalen Umständen keinen bekommt – macht wirklich Sinn! Hier hat sich für Anbieter der kleinen Plastikkarten eine regelrechte Marktlücke aufgetan. Aber auch das ist noch steigerungsfähig. Es gibt eine Webseite (die ich selbstredend nicht nenne) auf der man ganz einfach seinen Namen eintippt und ganz unkompliziert ein passendes Layout mit geschmackvollen Grundfarben für den Do-It-Yourself Ausweis wählt. Noch schnell den Drucker angeworfen, das Laminiergerät aufgeheizt und schon steht der Karriere als (Foto-) Journalist nichts mehr im Weg.

Viele derer, die eine Kamera ihr Eigen nennen, die über den technischen Status eines Kompaktgerätes hinausgeht oder die, die mindestens einmal als Bürgerreporter für eine drittklassige Stadtteiljournaille, den Pfarrbrief oder die Vereinszeitung unterwegs waren, wittern ihre Chance. Selbstredend wird auch einer obligatorischen Vorname-Nachname-Irgendwas Facebook Fanseite Leben eingehaucht. Zusätzlich folgt meist noch ein sogenanntes Webzine für das World-Wide-Web. Ob Social Media Auftritt oder Webseite, die virtuelle Erstausstattung besteht nicht selten sogar aus geklauten und urheberrechtlich geschützten Inhalten (ich habe hier selbst schon abmahnen lassen). Dem Spammen von Akkreditierungsanfragen steht nun aber trotzdem nichts mehr im Weg. Das Ziel eines jeden Amateur-Hobbyisten ist der VIP- / Backstagebereich oder der Fotograben diverser Veranstaltungen. Als Minimalziel wird zumindest der freie Eintritt ausgerufen. Als Köder wird dem Veranstalter dann in der Akkreditierungsanfrage eine toller Bericht auf einer unbekannten und belanglosen wix.com Webseite versprochen und die Fotos darf er auch noch kostenfrei verwenden. Diese Art der Freizeitbeschäftigung ist besonders an Wochenenden als Ausgleich zum stupiden Alltagsjob im Büro sehr gefragt. Montags steht dann wieder der Promi-Rapport beim Mittagstisch mit den Kollegen auf dem Stundenplan und vielleicht kann man auch noch mit einem neuen Selfie als Bildschirm-Hintergrund aufwarten. Großes Kino!

(Mittwochs-über-den-Berg) Bürgerreporter und Freizeit-Fotografen (letztere erkennt man übrigens gut am Cowboyhut, der umgedrehten Baseballcap oder der unglaublichen Menge selbstgedruckter Identity-Cards am Lanyard) gibt es wie Sand am Meer. Aber Amateur ist nun einmal Amateur und dies muss einfach bedeuten, dass keine Akkreditierung ausgestellt wird. Man lässt auch niemanden bei Bayer als Laborant arbeiten, nur weil er einen Chemiebaukasten sein Eigen nennt oder ganz artig das Periodensystem der Elemente aufsagen kann. Hier stehen vor allem die Veranstalter in der Pflicht. Quantität und Qualität finden keinen gemeinsamen Nenner. Sind wir doch ehrlich – es gibt nur noch wenige Blogs oder Webseiten, die zumindest im Ansatz journalistische Züge und Qualität aufweisen. Auch viele Fotos liegen weit unter dem Niveau eines anspruchsvollen Fotografen. Erreichten einige wenige Blogs damals noch ein großes Publikum, sticht die Mehrzahl heute nur durch schwache, unbedeutende Reichweiten hervor.

Man kennt mich als Verfechter von scharfen Akkreditierungsregeln. Ich bin ständig für diverse Medien unterwegs. Mein Nähkästchen ist randvoll mit Anekdoten und schier unfassbaren Erlebnissen. Presseausweis? Ok – aber für welches Medium arbeiten Sie? Das die begehrten Plastikkarten alleine und ohne Bezug zu einer wirklich ernstzunehmenden Redaktion mittlerweile jedem Tür und Tor öffnen sollte schnellstmöglich wieder unterbunden werden, damit die, die wirklich professionell arbeiten, dies auch wieder barrierefrei tun können, denn hier geht es um weit mehr, als um kostenfreie Freizeitaktivitäten mit Meet & Greet Charakter, Getränke, Snacks und nette Bildchen.