Ein Tag zwischen Autobahn und Speicherkarte Unterwegs mit der Feenstaub Entertainment Fotografie

Wie sieht der Tag eines Fotografen aus? Auch wenn sich im Pott immer noch hartnäckig das Gerücht hält, dass man nur ehrliche Arbeit geleistet hat, wenn man am Abend dreckig nach Hause kommt, ist auch die Arbeit eines Fotografen Arbeit – wirklich! Begleitet mich an einem Tag zu zwei Einsätzen an unterschiedlichen Locations in NRW. Es ist der 11.02.2016…

…und es ist kalt geworden, Fifty-Fifty das ich kratzen muss. Vorher noch schnell einen Express-Kaffee. Es ist 08hundert. Um 10hundert der erste Fototermin des Tages bei Radio Sauerland in Meschede und die A40 wartet noch mit ihrem aufgerissenen, Pendler zermahlendem Asphalt-Maul auf mich. Schon das Navi zeigt eine Verspätung von 15 Minuten an – jetzt aber los. Wie immer wird die Fotoausrüstung schon am Tag vorher und den Aufträgen entsprechend zusammengestellt und steht zur Abfahrt Spalier. Wirklich nichts vergessen? Blitzanlage, Speicherkarten, volle Akkus – schon die kleinste Nachlässigkeit könnte bei einem Fotoshooting ein Worst-Case Szenario auslösen und den Terminkalender durcheinander wirbeln. Check! Der Tag heute ohne Begleitung meiner Assistentin und Make-Up Artistin. Das Kratzen bleibt mir zum Glück erspart. Abfahrt! Ein Ritual im Auto die Sender zu hören, durch deren Städte ich fahre und für die ich oft im Einsatz bin. Auf der A40 habe ich im Berufsverkehr genügend Zeit das Morgenprogramm einer jeden Station von Duisburg bis Bochum ausgiebig zu genießen. 92,2 – 92,9 – 102,2 – 98,5 – 92,7 und final dann Radio Sauerland auf der Frequenz 96,2 Mhz. Kaum biege ich auf die gefräßige Ruhrgebietsader ein, grüßt bereits fröhlich Stefan Falkenberg von Radio Mülheim durchs Mikro und in Essen angekommen huschen auch schon die Verkehrsmelder von Radio Essen über den Äther – immer mit dem Auge für Blitzanlagen, Sperrungen und Staus – danke dafür! Schon 09hundert und noch 90 Kilometer bis Meschede. Während mich in Bochum der totale Stillstand erwischt, nutze ich die Auszeit um das Briefing des kommenden Einsatzes Revue passieren zu lassen. Moderatoren und Redakteure fotografieren – Jobportraits für die Webseite. Das schreit nach Fotos im Studio. Die Studios bei Radio Sauerland sind dunkler als in Essen oder gar Oberhausen – es fehlt zudem an gern genommenen, natürlichem Licht. Mit oder ohne Logo im Hintergrund? Sitzend oder stehend? Ich werde das am besten vor Ort und gemeinsam mit den heutigen Protagonisten entscheiden. Eingeplantes Zeitfenster: 10:00 – 13:00 Uhr. Verzögerungen sind heute nicht gestattet, denn schon um 15 Uhr erwartet man mich zurück in Duisburg – im VIP-Bereich der MSV Arena. Dort feiern zwei Firmen ihre Fusion und die ganze Belegschaft ist geladen. Der Duisburger Bürgermeister kommt, der MSV Geschäftsführer spricht und es sollen Aufnahmen im Stadion und von der gesamten Veranstaltung gemacht werden. Doch zunächst, und es ist schon 09:45 Uhr, im Kreuz Werl endlich die letzten Kilometer auf der A445 / A46 Richtung Meschede. Mich ereilt ein Gefühl von Urlaub. War das Sauerland doch das ein oder andere Mal das Ziel um die Seele baumeln zu lassen. Doch die Baustellen-Sperrung der Autobahn auf der Gegenseite reißt mich aus meinen Erinnerungen – verdammt! Das bedeutet für mich auf der Rückfahrt sauerländische Heimatkunde. Aber was soll ich machen – in meiner Preisklasse ist ein Helikopter nicht drin.

10:10 Uhr – fast pünktlich beim Sender. Auf in die erste Etage. Schon im Treppenhaus wird meine Nase von diversen hochkarätigen Eau de Toilettes umgarnt – dabei machen wir heute doch nur Fotos, oder?! Die Morgensendung ist soeben zu Ende gegangen und ich treffe in den selbstredend aussergewöhnlich stark besetzten Redaktionsräumen an diesem Morgen auch auf die Morgenmoderatoren Nicola Collas und Patrick Feldmann – die beiden sind echte Frohnaturen, kenne ich sie doch schon von der Radio Sauerland Sommer-Tour 2015. Nach ihrem fast schon gesungenen ‚Guten Morgen‘ erwiderte ich ‚Gibt es auch Kaffee?‘. Zum Kaffee wird mir eine Liste mit den Namen der zu Fotografierenden überreicht – Moderatoren, Redakteure, Reporter. Zwei Reporter sind noch im Außeneinsatz und schon tickt die Uhr. Den Kaffee wie einen Wasserfall den Rachen hinuntergekippt mache ich mich sogleich ans Auspacken der Fotoausrüstung. Studio? die Frage, Studio! die Antwort. Während ich das Set herrichte, bildet sich eine Schlange vor der Damentoilette. Nochmal zupfen, nochmal glätten, etwas Lippenstift. Kein Bad-Hair Day – was für ein Glückstag für mich! Eine Volontärin muss heute für die Testfotos herhalten. Sieht gut aus. So kann ich arbeiten. Den Blitzen gönne ich ab diesem Moment keine Pause mehr. Vor dem Mikro, hinter dem Mikro, Hände ans Mischpult, Kopfhörer auf, Kopfhörer in die Hand, lächeln und dabei ganz natürlich wirken. Foto für Foto wandert so auf die Speicherkarte. Nach gefühlten 400 Bildern zeigt der Zeiger auf der Uhr 13:15 Uhr. Fertig! Nein, noch nicht ganz. Ein Gruppenfoto wird noch gewünscht! Gerne – jetzt aber Klappe und danke! Alles noch im zeitlich eng gesteckten Rahmen. Zusammen packen, Speicherkarten sichern, Tschüss und zurück auf die 140 Kilometer lange Rückreise nach Duisburg.

Trotz der Tour de Dörfer im Sauerland schaffte ich es um 14:55 Uhr pünktlich und ohne Schnappschuss meiner Sitzhaltung hinterm Steuer in meinen reservierten Parkplatz vor der MSV-Arena einzuparken. Weitere 6 Stunden Fotoshooting standen nun auf dem Programm, unterbrochen nur durch das Buffet, an welches ich auch gebeten wurde. Köstlich und eine der wunderbarsten Nebensachen eines Fotografen. Doch zunächst und gemeinsam mit der Geschäftsführung und der Belegschaft Fotos im Stadion und auf der Tribüne, dann img_5750Mitarbeiter auf der Trainerbank, gefolgt von Fotos am Anstoßpunkt – episch! Hier und da noch einzelne Fotowünsche von Mitarbeitern erfüllen – klar bei so einer Location! Dann der offizielle Teil. Gesten stehen bei Reden immer im Vordergrund. Die richtige Handbewegung oder Armhaltung mit passendem Blick gilt es für die Ewigkeit, die Webseite des Auftraggebers und für die Presse am kommenden Tag zu bannen. Wieder Akkus und Speicherkarten wechseln. Den Blick schweifen lassen und Szenen im Umfeld erkennen und fotografieren. Eine freudige Begrüßung, der Smalltalk, Händeschütteln, ein Lachen. 18:00 Uhr Buffet-Pause und das Ende des offiziellen Parts. Es gibt immer noch Fotografen, die Menschen beim Essen fotografieren – eine Unart in meinen Augen. Ich nehme also ebenfalls Platz und genieße. Der Auslöser wird für eine Stunde keine Priorität mehr haben und auch meine Beine erfreut die kurze Auszeit. Ab 19:00 Uhr dann aber wieder Action. Tolle Idee – die Belegschaft wird in Teams gelost – Team-Building, sich kennenlernen. Dann hört man die schrille Schiri-Pfeife. Anstoß zum großen Kicker-Turnier an 12 Tischen. Die Stimmung hätte bei einem Spiel des heimischen MSV nicht besser sein können. Emotionen, Nahaufnahmen und Panoramaaufnahmen wünscht der Kunde sich. Noch die Siegerehrung ablichten und dann klickt der Auslöser gegen 21:00 Uhr zum letzten Mal an diesem Tag, der für mich aber noch lange nicht beendet ist. Zurück im Office gilt es die Bilder für den nächsten Tag aufzubereiten. Basiskorrektur der Fotos, die ich nun aus den ca. 900 Aufnahmen des Tages auswähle und die den Kunden am nächsten Morgen auf dem entsprechenden Server zur Verfügung stehen müssen. Dann noch die Bildbearbeitung gemäß Kundenwunsch. Es ist 05hundert als ich den Schalter an meinem Rechner auf AUS stelle, die Akkus in die Ladestationen lege und in die Federn falle…