DSGVO gesponnen mit Seemansgarn Die gefährliche Welt des Halbwissens

Oft ist der Weg zu einer anwaltlichen Abmahnung wirklich nicht weit und fast immer selbst verursacht. Da bestückt man den eigenen Weg zur angeblichen Wahrheit und nichts als der Wahrheit mit unzähligen Fallgruben, die einem schneller das Genick brechen können, als man die fünf Buchstaben DSGVO oder den beliebten Rechte am Bild Slogan auszusprechen vermag.

Das Internet ist selbstredend die Hochburg des Halbwissens. Forenjunkies wissen grundsätzlich auf alles eine Antwort und schmücken sich gerne mit den erworbenen Federn eines „Foren-Gurus“. 3000 Antworten in zwei Wochen. Wow! Ja – Quantität und Qualität liegen wohl nirgends weiter auseinander als in Internetforen. Googelt erst gar nicht, wenn ihr eine Krankheit und deren Behandlung recherchieren wollt. Da könnt ihr auch direkt beim ZDF anrufen und den Bergdoktor befragen, der scheint mir defintiv kompetenter.

Ein wenig abschweifend jetzt und doch so passend… Da gibt es z.B. die Apple User, die denken, da sie ein teures HighEnd-Gerät gekauft haben, seien Weisheit und Know-How auch im Package inklusive. Da werden Tipps vom Stapel gelassen, die sich für Laien gefachsimpelt anhören, aber durchaus teuer werden können. Gibt es ja überall – ihr kennt das. Ich bin selbst Apple User, dies seit 1982 mit dem Apple II, und habe für die meisten dieser selbsternannten Hard- und Softwaregötter nur ein ganz bedauerndes Lächeln übrig. Genickstarre vom ständigen Kopf schütteln gepaart mit dem stetigen Bedürfnis lieber einen großen Bogen um diese Ratschläge zu machen. Ein weiterer Vergleich bietet sich an dieser Stelle an, nein drängt sich gar gerade zu auf und vor allem: jeder kennt einen, einen dieser Tresen- und Wohnlandschaftstrainer des Sports! Auch gerne genommen die Hundehalter, die sich ein Buch aus dem GU-Verlag kaufen und anschliessend eine Hundeschule eröffnen (Wahrscheinlich noch ohne es vorher gelesen zu haben!).

Aber zurück zum Thema. Nach einem Gespräch, welches ich heute führte, stellte ich erneut fest, dass es beim Wissen um die DSGVO (EU-Verordnung seit Mai 2018 in Kraft), dem Kunsturhebergesetz (tatsächlich schon 1907 erlassen) sowie dem Urheberrecht immer noch gravierende Wissenslücken gibt.

Das sich User fernab vom Urheberrecht weiterhin, ungefragt und sogar strafrechtlich verfolgbar im Netz an Fotos bedienen, für die sie keine Nutzungsrechte erworben haben, kein Thema – kenne ich, ärgert mich kaum noch, ganz im Gegenteil – es bereitet mir mittlerweile wahrlich Freude. Um Ausreden wie „Och, das wusste ich aber nicht!“, „Wieso veröffentlichen sie denn auch die Fotos im Netz?“, „Was im Internet steht darf ich auch benutzten!“, „Ja, aber da war doch kein Logo drin!“ oder „Ich habe doch deinen Namen genannt!“ werden diese Ignoranten auch in Zukunft nicht verlegen sein. Macht aber nix, mein Rechtsbeistand ist auch nicht darum verlegen eine gesalzene Abmahnung auf den Weg zu bringen. Für die Zusatzeinnahmen danke ich an dieser Stelle jetzt auch einmal recht herzlich und von ganzem Herzen. Und jeder der mich kennt und meine Veröffentlichungen verfolgt weiß: meine Kulanz habe ich schon lange an die Halbwissenden (Gedanke: oder sollte ich sie besser Scheinwissende nennen?) verloren, die einem in stetiger Ausrede versuchen Falsches für Wahres zu verkaufen und sich ganz ernsthaft dabei ausrechnen einfach so davon zu kommen! 

Grundsätzlich gilt:

Als Fotograf ist man weder verpflichtet ein Wasserzeichen im Foto einzusetzen, noch die Bilder in irgendeiner Weise als urheberrechtlich geschützt zu markieren. Bilder aus einer Facebook, Instagram oder Twitter Chronik oder Bilder die anderswo im Netz veröffentlicht wurden, stehen einem nicht automatisch auch zur freien Verfügung.

Es gibt dann aber auch die, die ja die neue DSGVO und ihr Recht am Bild neuerdings ganz genau zu kennen scheinen. Verdrängen wir dabei aber nicht die Tatsache, dass sie ihr Wissen wohl beim Kippen holen am Kiosk erworben haben. „Ich habe jetzt die Rechte am Bild wegen der DSGVO!“ oder „Niemand hat mich gefragt ob ich bei Rock am Ring fotografiert werden wollte. Ich stand in der 83. Reihe, als 112. von links!“ werden da in der Tat zum Besten gegeben.

Ja, ja. „Herr Lehrer, Herr Lehrer – ich weiß was!“ Solche Leute habe ich doch schon damals in der Schule verprügelt. Wenn das Wissen nur annähernd so gut gewesen wäre, wie die Anstrengung Aufmerksamkeit zu erhaschen – verdammt, dann bräuchte sich die Regierung heute nicht um kompetente Fachkräfte im Ausland bemühen. Aber zurück zum Kernthema. DSGVO und Kunsturhebergesetz. Wer auch immer frei erfundene Gesetzestextes nach eigenem Ermessen und wilde Gerüchte zu diesen Themen in die Welt setzt, sollte nur noch mit Speichermedien gefüttert werden. Fakt ist zunächst einmal, dass die DSGVO nicht das Kunsturhebergesetz ersetzt hat. Auch geht es bei der DSGVO nicht um die „Rechte am Bild“ und Kramp-Karrenbauer ist verdammt noch Mal kein Hersteller von Schubkarren!

Immer noch lustig zu sehen, und mein Amüsier-Level steigt da deutlich, wenn Fotos, und dies angeblich auf Grund der DSGVO, im Netz immer noch so bearbeitet werden, dass man andere Gesichter nicht mehr erkennen kann. In der Schule hätte im Zeugnis gestanden: „Lernziel leider verfehlt. Der Schüler muss die Klasse noch einmal wiederholen, obwohl wir auch dann wenig Hoffnung auf Besserung haben!“. Ihr könnt da soviel rumkritzeln wie ihr wollt – trotzdem verstoßt ihr gegen die DSGVO. Warum? Es kommt bei der DSGVO gar nicht darauf an, was ihr wie online stellt. Fakt ist und bleibt – ihr habt Menschen (wahrscheinlich ohne deren Wissen) fotografiert. Das Originalbild (ggf. mit Datum, Uhrzeit und GPS Daten der Kamera) ist bei euch im Speicher, auf der Festplatte oder der Cloud und somit kann auch weiterhin ein Bezug zu den fotografierten Leuten im Bild hergestellt werden – und das hat auch nichts mit Rechten am Bild zu tun! Da bedarf es im Vorfeld und dies sowohl bei privaten als auch gewerblich gefertigten Fotos einer satten Aufklärung á la „Sesamstraße“ mit „Wieso, Weshalb, Warum?“. Das kennt doch wirklich jeder und der korrekten Umsetzung steht somit nichts im Wege. Die sogenannte Aufklärung gemäß der DSGVO beinhaltet unter anderem: Die Angabe der Verwendung, den dazu berechtigten Grund, den Speicherort, den Ansprechpartner etc.

Was man aber sonst so von Links, Rechts, aus der Mitte oder von Oben hört stellt einem die Haare senkrecht. Aber jeder kennt sich ja mit der Gesetzeslage aus, kann seinen Senf dazu und noch eine aus den Fingern gesaugte Blende obendrauf legen. Wer sich auf solche Menschen verlässt, der sollte zumindest über eine Rechtsschutzversicherung nachdenken, die könnte einem im Nachgang der Antwort einige Kosten ersparen – aber bitte merken: Urheberrecht ist meist nicht rechtsschutzversichert und man muss ans Bargeld! Und für alle, die sich wieder ein Kamera-Aktions-Kit bei einem der großen Elektronikmärkte gekauft haben und den Schritt zu einem A-Profi Linsenjongleur wagen, eine Mein-Name.de Foto und Facebookseite eröffnen und zu Dumping-Preisen ihr „freies Vakanzen“ Wochenende an der Steuer vorbei vergolden möchten, sollten sich vorher mal mit einen Anwalt für Urheberrecht unterhalten – ja, da kann einem schon mal schummrig werden, wenn man erfährt, was man darf und was nicht und welcher Weg der rechtlich einwandfreie ist – da reicht ein selbst laminierter Presseausweis leider nicht aus! Und noch was: Es bedarf bei der DSGVO auch keines Stiftes, denn der Fotografierte muss eure Aufklärung nicht unterschreiben, was wiederum ab auch nix mit einem Model-Release-Vertrag zu tun hat. Verstanden? Nee, is klar!

Tipp: Ich kann Firmen nur dringend empfehlen alle Mitarbeiter für Öffentlichkeitsarbeit und Marketing auf von Rechtsanwälten angebotene Seminare zu schicken. Privatleute weise ich gerne darauf hin, dass bei Veranstaltungen vor dem Kauf eines Tickets an den Kassen und online auf die DSGVO hingewiesen wird und das man seine Rechte am Bild mit dem Kauf einer Karte und dem Eintritt zur Veranstaltung, verwirkt. Aufgrund der DSGVO sollte aber auch jeder wissen, dass er der zukünftigen Nutzung von Fotos jederzeit widersprechen kann, auf denen er selbst zu erkennen ist. Dann sind Veranstalter und Fotograf dazu verpflichtet die entsprechenden Fotos nicht nur von Webseiten und den Fotogalerien zu verbannen, sondern diese u.a. auch von allen Speichermedien zu löschen. Hobbyfotografen hingegen sollten grundsätzlich vermeiden Dritte abzulichten und wer glaubt, dass Fotos in einer Privatsphäreumgebung von Facebook doch niemand sieht, dem muss ich auch hier leider den Zahn ziehen! 

Aber auch professionelle Fotografen (also die echten!), die engagiert werden, wissen um die Gesetzeslage der DSGVO, die Rechte am Bild und das Urheberrecht und informieren selbstredend, und dies fachlich kompetent, ihre Kunden (Gedanke: hoffentlich!), ersetzen selbstredend aber keine anwaltliche Rechtsberatung! 

FAZIT: Verlasst euch nicht blind drauf, was euch der kunststudierende Freund erzählt… Auch wenn er es nur gut meint. Aber „nur gut“ ist wie „eigentlich“!