Privatsphäre weltweit und kostenfrei!

Wenn man sich als Fotograf näher mit sozialen Netzwerken beschäftigt, sollte einem doch klar sein, dass man die Privatsphäre seiner Kunden schnell mit Füßen treten kann. Betrachtet man z.B. die AGB des Social-Media Primus Facebook einmal genauer, findet man unter ‚Erklärung der Rechte und Pflichten‘ folgendes:

[..] Teilen deiner Inhalte und Informationen

Dir gehören alle Inhalte und Informationen, die du auf Facebook postest. Zudem kannst du mithilfe deiner Einstellungen für Privatsphäre und Apps kontrollieren, wie diese geteilt werden.

 

Außerdem gilt: Für Inhalte, die durch Rechte am geistigen Eigentum geschützt sind, wie Fotos und Videos (IP-Inhalte), erteilst du uns ausdrücklich nachfolgende Genehmigung, vorbehaltlich deiner Einstellungen für Privatsphäre und Apps: Du gewährst uns eine nicht-exklusive, übertragbare, unterlizenzierbare, gebührenfreie, weltweite Lizenz für die Nutzung jedweder IP-Inhalte, die du auf bzw. im Zusammenhang mit Facebook postest (IP-Lizenz). Diese IP-Lizenz endet, wenn du deine IP-Inhalte oder dein Konto löschst; es sei denn, deine Inhalte wurden mit anderen geteilt und diese haben die Inhalte nicht gelöscht. [..]

Ich kann von daher nur mit dem Kopf schütteln, wie verschwenderisch und sorglos manche Fotografen mit normalerweise geschützten Fotostrecken umgehen. Im Gegensatz zu privaten Facebook-Seiten, bei dem jeder User wenigstens noch über die Privatsphäre-Einstellungen selbst bestimmen kann, wer Inhalte sehen kann oder nicht, hat man diese Möglichkeit der Einschränkung auf gewerblichen Facebook-Seiten nicht und es würde selbstredend auch wenig Sinn machen. Man stellt dort Beiträge ein, damit sie einem breiten Publikum zugänglich gemacht und geteilt werden.

Gestreut werden aus werbetechnischen Gründen oft ganze Hochzeits-Fotostrecken. Dabei ist eine Vermählung eines der intimsten Ereignisse und sollte man Facebook, so wie es oben in der Zitatebene steht, bei solchen Bildern, die meist auch Gäste und Familienangehörige zeigen, wirklich eine weltweite Lizenz für die Nutzung der Fotos erteilen? Ich denke wohl eher nicht! Sicherlich werden viele Fotostrecken mit dem Einverständnis der Brautpaare veröffentlicht, doch bin ich mir nicht so sicher, ob Braut und Bräutigam auch wirklich wissen oder gar darüber aufgeklärt wurden, wozu sie ihr Einverständnis erteilt haben, wenn es eben um die Veröffentlichung in den sozialen Netzwerken geht. Ich denke hier steht jeder Fotograf in der Pflicht seine Kunden darüber zu informieren. Denn später wird niemand mehr in der Lage dazu sein nachzuvollziehen, was Facebook mit den Fotos wirklich gemacht hat und für welche Zwecke sie verwendet wurden – da kommt die dicke Überraschung dann ganz unverhofft…